Standort neue Sporthalle
Zum möglichen Standort einer neuen Sporthalle
in Rothenburg ob der Tauber
Am Donnerstag, den 24. 11. 2011, sollte im Bauauschuss darüber entschieden werden, wo man eine neue Sporthalle errichten werden will. Der Verein Alt-Rothenburg hat sich in einer schriftlichen Stellungnahme dazu an den Stadtrat in Rothenburg gewandt.
Dr. Richard Schmitt
An die Damen und Herren des Rothenburger Stadtrates
Rothenburg, 24.11.2011
Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates,
wie wir der hiesigen Tagespresse entnehmen konnten, beschäftigt sich der Stadtrat in seiner Sitzung vom 24.11.2004 mit dem Standort einer neuen Sporthalle. Hierbei wurden anscheinend von der Verwaltung auch die Gärten am Ausgang des Friedrich-Hörner-Weges ins Gespräch gebracht. Nun ist uns bekannt geworden, dass eine Stellungnahmen des Landesdenkmalamtes, des Stadtheimatpflegers und des BUND zu den damit verbundenen städtebaulichen, denkmalpflege-rischen, historischen und wegen des dort vorhandenen Streuobstbestandes auch die Belange des Naturschutzes betreffenden Fragen bis heute nicht eingeholt wurden und vielmehr auf den Zeitraum nach Ihrer heutigen Beschlussfassung verschoben werden sollen. Um jedoch keine Säumnis zu begehen und Ihnen unsere Bedenken rechtzeitig vorzutragen, äußern wir uns wegen der Bedeutung dieser Entscheidung ungefragt, wie folgt:
Stadtansicht des Hans Nack (von ca. 1560) zeigt die Stadt von Osten nach außen stark konturiert durch die sie umgebende Stadtmauer.
Die beigefügte Stadtansicht des Hans Nack (von ca. 1560) zeigt die Stadt von Osten nach außen stark konturiert durch die sie umgebende Stadtmauer. Man muss sich von der Vorstellung frei machen, dass nur „bebaute mittelalterliche Flächen“ unter denkmalpflegerischen Vorgaben zu prüfen sind. Auch unbebaute Flächen sind, und dies zeigt uns gerade das Beispiel am Friedrich-Hörner-Weg durch ihre distanzgebietende Eigenschaft für den äußeren Eindruck einer mittelalterlichen Stadt konstituierend. Was wäre die aus der Distanz gewonnene weltberühmte Ansicht Rothenburgs von Westen, wenn sie lediglich 30m von der Alten Burg entfernt aufgenommen würde? Gleichzeitig zeigt uns diese Ansicht Nacks aber auch, dass der Bereich zwischen Spital- und Rödertor seit alters her durch starken Baumbewuchs begrünt war. Hierbei handelt es sich um die an anderer Stelle nachweisbaren „Gärten vor der Mauer“ Dieser frühe und bis heute erhaltene echte „Grüngürtel“ ist nun nicht mit dem Bereich zwischen Mauer und ehemaligen Äußeren Graben zu verwechseln – unter dieser Bezeichnung wird „Grüngürtel“ heute reduzierend verwandt, sondern liegt deutlich erkennbar vor dem Grabensystem. Der Verlauf des ehemaligen Grabens wird übrigens durch den Verlauf von Friedrich-Hörner, Heinrich-Toppler-Weg markiert. Insoweit entspricht dieses ehemalige begrünte „Vorfeld“ an dieser Stelle und nur noch an dieser Stelle der Stadtentwicklung vor 450 Jahren. Dieser Bereich ist somit auch der einzige Bereich der von Osten her, von der ehemaligen B 25 aus, einen unverbauten Blick und zwar über die Grünflächen hinweg in die Altstadt (Spitalviertel bis Marktplatz) erlaubt. Dies war auch der Grund, warum dieser Bereich seit mehr als 100 Jahren bewusst von jedweder Bebauung freigehalten und durch einen negativen Bebauungsplan bis heute besonders hervorgehoben wurde. Die nun angestrebte Bebauung mit einer Sporthalle würde nun diese einzigartige Situation für alle Zeiten zerstören. Ein für den Verein Alt-Rothenburg nicht hinnehmbarer Preis.
Hier ist im Übrigen an das Beispiel des touristischen Mitbewerbers Dinkelsbühl zu erinnern, wo man gerade den Bereich von Osten durch sehr viel großzügigere Grünflächen von Bebauung freigehalten hat und damit vermag, die Stadtkulisse deutlich hervorzuheben. Dort erweist sich aus den genannten Gründen ein sehr viel schonenderer Umgang mit der mittelalterlichen Stadt. Bedenkt man zudem den angepeilten Standort Friedrich-Hörner-Weg unter dem Gesichtspunkt einer noch laufenden Bewerbung Rothenburgs um die Aufnahme ins Weltkulturerbe, so schafft dieser Verwaltungs-vorschlag starke Irritationen.
Wir sehen die Notwendigkeit des Baues einer neuen Sporthalle durchaus ein, meinen aber dass zunächst die genaue Bedarfsfrage geklärt werden muss, ehe man sich zur Standortfrage überhaupt äußern kann.
Die Einholung von Stellungnahmen des Landesdenkmalamts, des Heimatpflegers und des Bundes Naturschutz hätten wir bereits im Vorfeld der heutigen Entscheidung für unabdingbar gehalten. Dem Verwaltungsvorschlag eines Standorts am Friedrich-Hörner Weg bitten wir jedenfalls nicht zu folgen.
Verein Alt-Rothenburg e.V.
Für die Vorstandschaft
gez.
Dr. Richard Schmitt
Schriftführer
