Balkon im Klosterhof – Stellungnahme des Verein Alt-Rothenburg

Mit Entsetzen haben Vorstand und Ausschuss des Vereins Alt-Rothenburg zur Kenntnis genommen, dass der Bauausschuss des Stadtrates nun doch den Neubau eines Balkons an der Scheune Klostergasse 7 genehmigt hat.

Was für ein rabenschwarzer Tag für den Denkmalschutz in Rothenburg! Angesichts der Geschichte des Gebäudes und angesichts der Lage des Objekts kommt es einem städtebaulichen Offenbarungseid gleich, dass man einem Bauherrn erlaubt, derart umfangreiche Änderungen an der Substanz und am Erscheinungsbild dieses Bauwerks vorzunehmen.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich gegen die Genehmigung des Balkons ausgesprochen. Unser Stadtheimatpfleger Prof. Bedal hat sich gegen die Genehmigung des Balkons ausgesprochen. Und dennoch findet sich eine Mehrheit im Bauausschuss für dieses unsägliche Vorhaben.

Was für ein katastrophales Signal für die Zukunft der Rothenburger Altstadt! Angesichts der vorgetragenen Argumente („Ein Balkon gehört heute einfach dazu.“) muss einem angst und bange werden um die Zukunft der nicht umsonst weltberühmten Rothenburger Altstadt. Wenn in Zukunft jedem Bauherrn der Anbau eines Balkons gestattet wird, nur weil das heutzutage angeblich dazugehört, dann wird bald nicht mehr viel übrig sein vom mittelalterlichen Stadtbild Rothenburgs.

Nicht umsonst haben die Rothenburger Stadtväter in der Vergangenheit strenge Regeln festgelegt, was das Bauen innerhalb der Stadtmauern angeht. Es ist ein Trauerspiel, dass sich der Bauausschuss derart leichtfertig über die eigenen Regeln hinwegsetzt. Und wenn dann ein Mitglied des Bauausschusses auch noch allen Ernstes vorschlägt, mit modernen Materialien ein „mutig kontrastierendes Element“ einzufügen, dann zeugt das nicht nur von einer unglaublichen Respektlosigkeit gegenüber allen Zielen des Denkmalschutzes in unserer Stadt, es stellt einen offenen Angriff auf alle Bestimmungen zum Schutz der Rothenburger Altstadt dar.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es sich bei diesem bedauernswerten Wunsch um eine Einzelmeinung handelt, die nicht mehrheitsfähig ist und es auch niemals werden wird. Vorstand und Ausschuss des Vereins Alt-Rothenburg bekennen sich jedenfalls ausdrücklich zu den Zielen des Denkmalschutzes in Rothenburg und insbesondere fordern wir die Einhaltung der gültigen Vorschriften für die Baugestaltung.

Außerdem appellieren wir hiermit an den Bauherrn, vom Bau des Balkons abzusehen. Wir sind gerne dabei behilflich, eine andere attraktive Lösung für das Bauvorhaben zu finden, ohne dabei den Denkmalschutz mit Füßen zu treten.

Abschließend noch ein Zitat aus der Baugestaltungssatzung der Stadt Rothenburg (die sich das ein oder andere Mitglied des Bauausschusses vielleicht mal durchlesen sollte): „Die noch verbliebenen Baudenkmäler sind der wesentlichste Teil des kulturellen Erbes dieser Stadt. Ein größtmöglicher Erhalt des historischen Baubestandes soll absolute Priorität genießen.“

Im Namen des Vorstands und Ausschusses des Vereins Alt-Rothenburg.

Dr. Markus Naser
Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg

 

 

 

Diese Stellungnahme finden Sie in Kürze natürlich auch online und in der Printausgabe des „Fränkischen Anzeiger“.

 

Wer sich die Baugestaltungssatzung der Stadt Rothenburg ob der Tauber in der aktuellen Fassung und im Detail einmal durchlesen möchte, für den haben wir sie hier als PDF zum Herunterladen bereitgestellt.

Baugestaltungssatzung