„Restaurieren heißt nicht ‚Wieder neu machen‘ – Was macht der Papierrestaurator?“

Gefährdete Schätze – Man kann sie retten

Vortrag von Henriette Reißmüller beim Verein Alt-Rothenburg

Vergangenen Freitag (17.03.2018) stellte Diplom-Restauratorin (FH) Henriette Reißmüller aus Binzwangen im Rahmen der winterlichen Vortragsreihe des Vereins Alt-Rothenburg in der „Glocke“ ihre interessante Tätigkeit als Bewahrerin beschädigter und bedrohter alter Urkunden, Bücher, Siegel, Fotografien und weiterer historischer Objekte vor. Frau Reißmüller hat 1998 am Reichsstadt-Gymnasium ihr Abitur abgelegt und nach ihrem Studium Berufserfahrung in Nürnberg, Koblenz, Münster, Leipzig, Dublin und Toronto gesammelt. In Binzwangen betreibt sie eine weithin gefragte Werkstatt mit dem Schwerpunkt Papierrestaurierung, die auch vom Rothenburger Stadtarchiv im Rahmen seiner finanziellen Mittel genutzt wird.

Papier – seit ca. 300 n. Chr. in China als Schreibmaterial benutzt, nachdem man  es schon lange vorher für Kleidungsstücke verwendet hatte – war in Europa schon im Hochmittelalter bekannt. Die erste deutsche Papiermühle ist 1389 in Nürnberg überliefert. Papier wurde damals und noch lange Zeit aus „Hadern“ (= Lumpen von alten Kleidungsstücken, meist aus Leinen) und tierischem Leim hergestellt. Diese alte, langfasrige Schreibgrundlage ist extrem beständig und bis heute haltbar.

Als man ab dem 19. Jahrhundert immer mehr Papier benötigte, stellte man es aus kurzfasrigem, meist aus Nadelholz gewonnenem, recht saurem Zellstoff her. Es hat aber, wie Bücher aus dieser Zeit oder alte Zeitungen zeigen, oft nur eine Lebenszeit von gut 100 Jahren.

Schadensbilder an Papieren und Pergamenten weisen „endogene“ Uesachen wie papiereigene Säure oder Tintenfraß auf oder „exogene“ wie Schimmel, Risse, Mäuse- und Insektenfraß oder Wasserschäden.

Die Arbeit der Restauratorin besteht nun darin, solche gefährdeten Objekte sachgemäß auf der Grundlage ihres Wissens über die Eigenschaften der verschiedenen Werkstoffe (wozu beträchtliche Kennntnisse der Chemie gehören) mit zur Restaurierung geeigneten Materialien wie „Japanpapier“ zu retten. Handwerkliches Geschick ist bei dieser Arbeit eine unabdingbare Voraussetzung.

In der Vergangenheit hat man in Archiven und Bibliotheken oft recht unvorsichtig „restauriert“: „Tesa-Film“, Kunstharzkleber („Uhu“), Klarsichthüllen wurden unbedenklich eingesetzt. Heute würde man das anders machen.

Am Ende des Vortrags folgten Ratschläge für die Aufbewahrung alter Fotos und Dokumente: kein Tesa, keine Plastiktüten (mit ihren „Weichmachern“), sondern Papierumschläge.

 

Ein paar Impressionen vom Vortrag:

Mehr zur intererssanten Arbeit von Dipl.-Restauratorin (FH) Henriette Reißmüller finden Sie hier.

Eine Dokumentation eines Auftrags finden Sie hier:
Henriette Reissmüller – Doku A-23_2017_A91-1.


Fr., 16. März 2018
Dipl.-Restauratorin (FH) Henriette Reißmüller (Binzwangen)
„Restaurieren heißt nicht ‚Wieder neu machen‘ –
Was macht der Papierrestaurator?“

Beginn: 20 Uhr • Gasthof „Zur Glocke“ (Kelter)

Veranstalter: Verein Alt-Rothenburg e.V.