Trauer um Dr. Richard Schmitt

Der Verein Alt-Rothenburg trauert um seinen langjährigen Schriftführer Dr. Richard Schmitt.

 

 

 

Dr. Richard Schmitt

1952-2020

Dr. Richard Schmitt wurde 1952 in der Nähe des Schlosses Frankenberg in dem Gasthaus seiner Großeltern geboren. Dieses Schloss und die Umgebung sollten sein Leben stark prägen und für immer ein wichtiger Anlaufpunkt für ihn bleiben. In seinem Geburtsjahr eröffneten sein Vater, Karl Schmitt und seine Mutter Frida Schmitt, ein Gasthaus in Bullenheim, wo Richard aufwuchs und die dortige Dorfschule besuchte. Sein intellektuelles Potential zeigte er schon früh dadurch, dass er eine Klasse übersprang. Während seiner Schulzeit unternahm Richard Schmitt häufig Ausflüge zum Schloss Frankenberg, wodurch wohl sein reges Interesse an Geschichte und Heimat geweckt wurde.

Nach der vierjährigen Grundschule wechselte er auf das Gymnasium in Marktbreit, was für ihn einen täglichen Fahrradweg von 10 Kilometern bedeutete. Das einfache Leben in der Wirtschaft seiner Eltern formten ihn zu einem bodenständigen und besonnenen, aber trotzdem ehrgeizigen jungen Mann.

Dieses auf die Geschichte gerichtete Streben war es wohl auch, das ihn veranlasste, eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr auszuschlagen und in das Studienfach Geschichte, Deutsch und Geographie einzutreten. Vom Gedanken angeleitet, dieses Wissen vermitteln zu wollen, wählte er konsequenterweise das Lehramt. Seiner historischen Jugendliebe Frankenberg und dessen Besitzer, den Baronen von Pölnitz, widmete er dann auch seine Dissertation.

Nach seiner Referendariatszeit, die Richard Schmitt im Allgäu und in Hof / Ofr. absolvierte, wechselte er nach Rothenburg an das Reichsstadtgymnasium, das ihm bis zu seiner Pensionierung berufliche Heimstatt bleiben sollte. Lange lebte er zunächst in der Altstadt und schnell wurde er zu einem geschätzten Mitglied des Kollegiums. Bei seinen Schülern war er sehr beliebt und seine ganze Leidenschaft steckte er nicht nur in die Schule, sondern auch in die Heimatforschung und den Verein Alt-Rothenburg.

Als Vorstandsmitglied ging er häufig weit über das hinaus, was ihm als Schriftführer abverlangt wurde. Er nahm in Zeiten, als der Verein manchmal führungslos war, das Heft in die Hand und navigierte ihn – oft unbemerkt von den Mitgliedern – in sichere Fahrwasser zurück. Stunde um Stunde saß Richard Schmitt in seinem Arbeitszimmer, um Vorträge, Briefe, Zeitungsberichte oder Versammlungen des Vereins vorzubereiten. Hinzu kamen seine eigenen Forschungen die er mit Freude, Engagement, häufig auch mit Leidenschaft vorgetragen hat.

Nach dem Rückzug des Rothenburger Geschichtsdoyens Dr. Ludwig Schnurrer, war er es, der (neben Herrn Tittmann) die LINDE am Leben erhielt. Allein die Transkription des „Bundschuh“ muss etliche Arbeitstage verschlungen haben. Seine Publikationen zu Rothenburger Themen (z.B. zu den Familien der Wernitzer), zur Landhege (Reichsritter zu Wollmershausen, Der Thüngen´sche Mordbrand), aber auch zur neueren Geschichte (Landpolizeiposten Oberscheckenbach 1945-48) zeigen das außerordentlich breite Interessenspektrum des begeisterten Historikers.

Sein vom Humanismus geprägtes Wesen blitzte besonders dann auf, wenn er zu historisch unterrepräsentierten Personen oder Gruppen forschte (Zwangsarbeiter im 3. Weltkrieg, Die Ermordung des Rothenburger Volkssturmmanns Johann Rößler 1945). Seine profunden Buchbesprechungen sind Legion und immer mit Fairness und Akuratesse verfasst. Jahresberichte, selbst Sitzungsprotokolle aus seiner Feder waren oftmals parataktische und syntagmatisch-semantische Meisterstücke.

Darin konnte er auch – ohne polemisch zu werden – seinen subtilen Sinn für Humor und Ironie einbringen, was nicht immer jedem gefiel, was aber die Jahreshauptversammlungen des Vereins stets zu spannenden Terminen gestaltete.

Die Lücke, die sein Tod reißt, wird nur sehr schwer zu füllen sein. Seiner Frau Ute, mit der er mehr als 27 Jahre verheiratet war und seinen beiden Söhnen gilt unser tiefstes Mitgefühl.

In einem ganz persönlichen Nachruf schreibt sein Sohn Konrad: „Richard Schmitt ist den meisten Menschen als guter Lehrer und eifriger Heimatforscher bekannt, der mit seinem großen Fachwissen und seinem noch größerem Allgemeinwissen auf viele Fragen in der Forschung und des Lebens eine Antwort parat hatte.“
(hm / ks)