„Die Linde“

  

 

 

Verzeichnis „Der Linde“ von 1909 bis 2014

 

Die Linde. Beilage zum Fränkischen Anzeiger.
1909 – 2014

Hier können Sie nach allen Texten, Aufsätzen, Buchbesprechungen, Gedichten und dergl. mehr suchen und finden. Alle Titel der Ausgaben der „Linde“ von 1909 bis 2012 in einem Verzeichnis. Informativ. Interessant. Aktuell.

Sollten Sie Interesse an der „Linde“ insgesamt oder an einzelnen Artikeln haben, können Sie diese (nach)bestellen und / oder abonnieren im Rothenburger Stadtarchiv.

Linde 1909-2014

 

 

„Die Linde“ und ihre Geschiche

Monatsbeilage des Fränkischen Anzeigers © Rotabene-MedienhausDie Linde ist eine der wenigen in der deutschen Presselandschaft noch bestehenden Beilagen für Geschichte und Heimatkunde.

Gegründet 1909, erscheint sie monatlich mit informativen, historisch fundierten Artikeln über das Rothenburger Gebiet.

Druck und Verlag erfolgt bei Schneider Druck GmbH, die Redaktion liegt beim Verein „Alt-Rothenburg“. Verantwortlich war fast 40 Jahres Dr. Ludwig Schnurrer, seit 2011 das „Linde-Redaktionsteam“.

Die Inhaltsverzeichnisse der Linde seit dem 1. Jahrgang 1909 finden Sie auf der Erlanger Historikerseite.

 

Geschichte, Hintergründe und Zielsetzung

 

„Die Linde“ erscheint seit 1909 monatlich als heimatkundliche und wissenschaftliche Zeitungsbeilage im Fränkischen Anzeiger Rothenburg. Übrigens eine der nur noch ganz wenigen deutschen Heimat- und Tageszeitungen, die eine solche Beilage haben. Für die Redaktion zeichnet seit 1967 verantwortlich Dr. Ludwig Schnurrer, Rothenburg.

Die zwölf Einzelnummern jeden Jahres werden im Folgejahr auf alterungsbeständigem Papier nachgedruckt und mit einem Inhaltsverzeichnis versehen.

Sowohl die Einzelnummern als auch das Inhaltsverzeichnis des jeweiligen Jahres können, solange der Vorrat reicht, im Stadtarchiv erworben werden.

 

Seit ihrem ersten Erscheinen 1909 informiert und unterhält die „Linde“ als kleine heimatkundliche Zeitschrift ihre Leser. Bis 1914 wurde sie von dem Verleger Ludwig Schneider redigiert, seit 1914 von August Schnizlein, königl. bayer. Gymnasialprofessor und Leiter der Rothenburger „Lateinschule“. Bis 1917 umfasste die „Linde“ jährlich 12 Hefte bei einem Gesamtumfang von 48 Seiten. Schnizlein verwies (1910) das angebliche Turnier von 942 ins Reich der Legende – und raubte Rothenburg damit 200 Jahre Stadtgeschichte – ,Martin Weigel entdeckte den spätmittelalterlichen Wollhandel zwischen der Stadt ob der Tauber und Italien sowie die Glasmalereien in St. Jakob für einen breiteren Leserkreis. Neben einer Reihe von kurzen Abhandlungen mit neuen Erkenntnissen zur Stadtgeschichte finden sich zahlreiche kleine Beiträge über historische Persönlichkeiten, Geschehnisse oder Kuriosa , daneben Mundartliches.

Im letzten Jahr des 1. Weltkrieges 1918 gab es keine „Linde“, wohl wegen fehlender Zuweisungen an Papier. Erst ab Juli 1920 konnte die „Linde“ wieder erscheinen, im Inflationsjahr 1923 zwar nur mit zwei Nummern, aber ansonsten weiterhin mit 48 Seiten. Der wissenschaftlich hochqualifizierte Theologe Paul Schattenmann ergänzte seit der Mitte der Zwanziger August Schnizleins historische Arbeit mit wertvollen Studien; Patriotisches und Heimattümelndes trat in den Hintergrund. Friedrich Herlin und Tilman Riemenschneider wurden erst so richtig entdeckt und einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt. 1932 konnte August Schnizlein die „Linde“ aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr betreuen; ihn vertrat ein halbes Jahr lang Paul Schattenmann. Ab 1933 lag dann die Schriftleitung bei Dr. Martin Schütz, einem jungen Gymnasiallehrer, der zugleich als Schriftführer und dann als Kassier des Vereins Alt-Rothenburg tätig war. Nun finden sich auch wieder kurze Geschäftsberichte des Vereins, ebenso Ratschläge bzw. Grundsatzüberlegungen zur Denkmalpflege von Ernst Unbehauen, Hans Wirsching tritt auch als Autor stärker an die Öffentlichkeit, bevor er 1940 die Redaktion für den Kriegsdienst leistenden Dr. Schütz übernimmt. Ansonsten die übliche, abwechslungsreiche Mixtur. 1937 ändert sich das Bild ein wenig, die Nazi-Zeit geht am Verein nicht spurlos vorbei. Martin Schütz setzt einen ersten kleinen antisemitischen Beitrag in die „Linde“ („Was ein Jude im Jahre 1694 der Welt vorlog“), dem 1938 – 1940 weitere, umfangreichere folgen. Doch dabei blieb es. Abgesehen von Schütz, der der einzige überzeugte Nazi im Kreis der „Alt-Rothenburger“ gewesen zu sein scheint, finden sich keinerlei Reminiszenzen an das NS-System in der „Linde“. In einem Jahrbuch des Vereins kann Schütz allerdings erneut vom Leder ziehen; darüber hinaus werden die an den Stadttoren angebrachten, unsäglichen, dem „Stürmer“ in nichts nachstehenden antisemitischen Tafeln von Ernst Unbehauen und Marta Faber abgebildet. 1941 stellte die „Linde“ ihr Erscheinen ein.

Deckblatt der 1. Ausgabe der LINDE nach dem 2. Weltkrieg, 1950 © Schneider Druck – rotabene-medienhaus.

Erst 1950 konnte sie unter der Leitung des Schweinsdorfer Pfarrers Wilhelm Dannheimer wieder veröffentlicht werden. Die traditionell enge Verbindung zum Verein Alt-Rothenburg bestand fort; Dannheimer war zweiter Vorstand des Vereins. Neue Namen tauchen als maßgebliche Autoren auf: Willi Foerster, Dannheimer selbst, der als Laienarchäologe verstärkt die Vor- und Frühgeschichte zum Thema macht, der rührige, doch wegen oft fehlender Quellenangaben sowie überreich blühender Phantasie nicht immer brauchbare Heinrich Schmidt; bewährte Autoren aus der Vorkriegszeit publizieren weiter: Wirsching, Schattenmann, Leonhard Krauß. Ab 1958 war der Volksschullehrer Rudolf Hahn für die „Linde“ verantwortlich, der sich wie vor ihm Krauß oder Dannheimer auch für die Landgemeinden interessierte und auch der Erdgeschichte verbunden war – ein Bereich, der leider bis heute in der „Linde“ kaum kompetente Fürsprecher gefunden hat.

1964 erscheint erstmals der Gymnasiallehrer Dr. Ludwig Schnurrer als Autor, der das Amt des 2. Vorsitzenden im Verein Alt-Rothenburg von 1965 bis 1998 innehatte. Seit Ende 1967 ist er Schriftleiter der „Linde“ und hat in diesen langen Jahren das wissenschaftliche Niveau der kleinen Heimatzeitschrift ohne Zweifel gehoben, ohne dabei ihren Unterhaltungswert für ein breiteres Publikum außer Acht zu lassen. Unzählige Beiträge aus seiner eigenen Feder haben seitdem die Stadtgeschichtsforschung ergänzt und vorangetrieben, als Stadtarchivar hat er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten begleitet und gefördert, die wiederum ihren Niederschlag in der „Linde“ finden konnten. Archäologische Fundberichte, zunächst von Anton Müller, dann – bis heute – von Horst Brehm hielten wieder regelmäßigen Einzug. Die Ereignisse des Kriegsendes 1945 kamen zur Sprache. Fritz Mägerlein brachte namhafte Beiträge zu Tauberzell und Neustett. Die Bestände und Neuerwerbungen des Reichsstadt-Museums wurden von Friedrich Keith und Dr. Hilde Merz gebührend gewürdigt. Die Leiterin des Museums verwies – mit spürbaren Folgen für das Geschichtsbewusstsein der Stadt – auf die zeitweise bedeutende jüdische Vergangenheit Rothenburgs.

In den letzten Jahrzehnten haben neue Autoren wie Prof. Karl Borchardt oder Ekkehart Tittmann die Geschichtsforschung zur Stadt und zum Bereich der ehemaligen Landhege maßgeblich bereichert. Gelegentlich erschienen auch Beiträge zur neueren Geschichte, d. h. zum 2. Weltkrieg und zur unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Erforschung der nationalsozialistischen Zeit allerdings steht bis heute aus. Hier muss sich der Interessent mit der verdienstvollen Aufarbeitung zeitgenössischer Artikel aus der Lokalzeitung durch Dieter Balb („Fränkischer Anzeiger“ 1983) begnügen sowie mit verstreuten Forschungsergebnissen zum Schicksal der jüdischen Bürger, die schon vor der Pogromnacht 1938 die Stadt verließen bzw. verlassen mussten. Die von der Stadt in Auftrag gegebene Gesamtdarstellung der Jahre 1933 -1945 bleibt offenbar Fragment.

Seit 2012: Neues Logo der „Linde“.

Erwähnt werden müssen unbedingt die in der „Linde“ erschienen zahlreichen Rezensionen von historischer, kunstgeschichtlicher und landeskundlicher Fachliteratur. Der Heimatforscher wurde und wird hier immer wieder auf grundlegende Werke hingewiesen, die ihm in seiner provinziellen Beschaulichkeit ansonsten entgingen.

In der Rückschau erscheint es fast wie ein Wunder, dass die „Linde“ sich in dieser Qualität halten konnte. Der Verlag hält – aus welchen Gründen auch immer – der „Linde“ die Treue. Sie brachte immer wieder Beiträge, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sie war und ist vielseitig, sie wurde kein reines „Heimatblättle“, sie verkam auch nie zum Organ halbgebildeter, vorwiegend „patriotischer“ bzw. lokalpatriotischer oder gar esoterisch angehauchter Sektierer, die in anderen Städten die „Geschichtsforschung“ in ihrem Sinne betrieben und einen Mist auf den anderen stapelten. Dass dies in der „Linde“ nicht geschah, ist natürlich das ein Verdienst der jeweiligen „Schriftleiter“, allen voran Schnizlein und Schnurrer.

Dem (meist) kritisch-aufgeklärten Grundton der „Linde“ war durch all die Jahrzehnte immer mal wieder – und im Lauf der Jahrzehnte immer seltener – ein die Gefühle des Heimatfreundes ansprechender Akkord aufgesetzt: Mundart- und andere Gedichte ergänzten das Programm. Hier schweigt des Sängers Höflichkeit manchmal, andererseits sind die launigen, oft ursprünglichen Dialektgedichte von Hans Probst oder dem „Wanderer“ noch heute durchaus lesenswert. Nicht zu reden von den frühen und vor allem späteren Gedichten Wilhelm Staudachers, die der Rothenburger Mundart den Einzug in den literarischen Olymp verschafften.

 

Rückblick: Schriftleiter der Linde seit 1909:
1909 – 1914 L. Schneider / H. Schneider
1914 – 1932 August Schnizlein
1932 Dr. P. Schattenmann
1933 – 1940 Dr. Martin Schütz
1940 – 1941 Hans Wirsching
1950 – 1957 Walter Dannheimer
1958 – 1967 Rudolf Hahn
1967 – 2010 Dr. Ludwig Schnurrer

seit 2010
betreut ein Redaktionsteam des Verein Alt-Rothenburg „Die Linde“ bestehend aus Dr. Hellmuth Möhring, Dr. Richard Schmitt, Dr. Oliver Gußmann, Ekkehart Tittmann.
Dr. Richard Schmitt