Brauhaus

Der Verein Alt-Rothenburg plädiert vehement
für die Erhaltung dieses Denkmals.

Warum das so ist, können Sie den nachfolgenden Zeilen entnehmen:

Das Rothenburger Brauhaus, erbaut 1899 von Hans Hopf (1866-1939), einem aus Berlin stammenden Bierbrauer und Unternehmer, ist bezeichnend für die Bauten um die Jahrhundertwende, wo um die Stadtmauer gürtelartig eine Vielzahl stilistisch ähnlicher Gebäude (Realschule, Toppler-Schule, Hotel Hornburg, Gerichtsgebäude, Wildbad etc.) errichtet wurden. Zum Zeitpunkt der Erbauung stellte das Brauhaus eine Kapazitätserweiterung des örtlichen Brauwesens dar. 1907 qualifizierte es Hermann Uhde-Bernays – ein Vertreter des konservativen Baustils – als „Störung“ ab. 1924 wurde es in einer Festschrift ausführlich beschrieben und gewürdigt, in dem Reichsstadt-Jubiläumsheft 1974 nochmals erwähnt. Nach dem Krieg wurde der Betrieb eingestellt und seitdem wird das Gebäude nicht mehr genutzt. Inzwischen hat man einige Nebengebäude ohne Not abgerissen. Zum Ensemble gehören heute noch einige Kutschställe und der qualitätvolle, halb aufgemauerte und mit Eisenstäben gestaltete Zaun.

Das Hauptgebäude, das Sudhaus, inzwischen vom FA als „Restgebäude“ bezeichnet, ist ein querrechteckiger Baukörper in Ziegelbauweise mit Zierputz. Den getreppten Mittelgiebel flankieren zwei Ziertürmchen. Die Türmchen sind zwar gängiges modisches Element der Zeit, sie greifen aber auch das Vorbild des nahen Klingenturms auf, wo ebenfalls solche zierhaften Scharwachtürmchen angebaut wurden. Nicht allein die akzentuiert ornamentale Situation, die das Stadtbild, auch dem Taubertal kommend, für 100 Jahre geprägt hat, ist schützenswert. Auch die bautechnische Leistung ist für damalige Zeit hervorragend gelöst, die schwierige Lage am Tauberhang ist durch trotz der starken Unterkellerung statisch bis heute stabil.
Die Bedeutung des Gebäudes liegt darüber hinaus im historischen Umfeld.

Viele technische Denkmäler der Stadt Rothenburg sind heute verschwunden:
– die Stegmühle (16. Jh., abgerissen 1975)
– Fa. Heinrichmeier und Wünsch (Kinderwagenfabrik, 19. Jh., zum größten Teil abgerissen, der Rest komplett umgebaut),
– Fa. Schaeff (um 1900, 1999 abgerissen)
– der städtische Bauhof, (einer der ältesten Busbahnhöfe Bayerns, um 1910, abgerissen 1998)
– das E-Werk, (erbaut 1899, im II. Weltkrieg ausgebrannt)
– Fa. AULA, abgerissen in den 60er Jahren(?).

Dazu kommt, dass technische Jugendstilbauten in Rothenburg und weiterer Umgebung selten zu finden sind. Die Behauptung liegt nahe, dass die ansprechende Gestaltung des Brauhauses auf die gewaltige Jugendstilanlage des Wildbades antwortet. Es ist, wenn auch bescheidener angelegt, so doch für einen Zweckbau ungewöhnlich aufwändig.

Die Schäden sind inzwischen eklatant und für jedermann sichtbar: Putzschäden am gesamten Gebäude, die Fensterscheiben größtenteils zerstört, Metalldächer der Ziertürmchen verrostet, Wasser- und Frostschäden an der Sockelzone, zu naher Baum- und Strauchbewuchs, Jahreszahl am Giebel droht abzufallen, Dachrinnen an der Weststeite zerstört und mit Gras bewachsen, das Fallrohr an der Nordostseite unvollständig.

Die Stadt Rothenburg als Eigentümerin dieses Areals hätte an dieser Stelle, an der auch viele Touristen ankommen, die Möglichkeit, ihr Denkmalbewusstsein klar zu demonstrieren und wenigstens eine Notsicherung durchzuführen.