Rothenburg in Krieg und Frieden

Der Film, der nicht nur in Rothenburg

Aufmerksamkeit erregte: Er wird auf dieser Tagung gezeigt. Auch der "Brettheim"-Film wird vorgeführt.

Eine zweite Heimat für die verstörte Seele
Erich Maria Remarque, 1963

Rothenburg ob der Tauber ist eine Stadt mit reicher und interessanter Geschichte, die sich noch erstaunlich gut im Stadtbild ablesen lässt.

Neben der beachtlichen baulichen Gestalt dieser Stadt ist es auch der Mythos Rothenburg, der Jahr für Jahr hunderttausende Touristen anlockt.
Es scheint, als könne man hier deutsche Geschichte quasi kondensiert betrachten und den Geist der „guten alten Zeit“ atmen. „Die Attraktivität
der Stadt findet man vermutlich weniger in ihrer historischen Substanz, sondern eher in ihrer symbolischen Kraft“ (Joshua Hagen).

Mit unserer Tagung wollen wir einen Beitrag zur Dekonstruktion des Mythos Rothenburg leisten. Wo gilt es, hinter die schönen Fassaden zu
schauen? Welche Brüche und dunklen Seiten zeigt die scheinbar intakte Stadt nicht auf den ersten Blick?

Schon im 19. Jahrhundert setzten die Bemühungen um die Inszenierung der Stadt und den Ausbau zu einer Touristenhochburg ein. Die Nationalsozialisten
stilisierten sie zur „deutschesten“ Stadt und machten sie zu einem Vorzeigeobjekt für KdF-Urlauber, während gleichzeitig in Franken Gauleiter Julius Streicher sein antisemitisches Programm umsetzte und auch in Rothenburg kein Widerstand gegen die Herrschaft der NSDAP mehr geduldet wurde.

Rothenburg erlitt beachtliche Kriegszerstörungen, die man in einem schon bald einsetzenden Wiederaufbauprogramm für viele unsichtbar
kaschierte. Unsichtbar blieben zum Teil bis heute auch die Belastungen durch die NS-Zeit, die Schuld, die unbewältigten Verluste, die Traumatisierungen.

Vieles an Aufarbeitung wurde allerdings auch geleistet, von der Generation der „Kriegskinder“ und auch von ganz jungen Leuten, die mit einem
unbelasteten, aber interessierten Blick auf die Vergangenheit schauen.

Herzliche Einladung,
am Beispiel der Tauberstadt und vor Ort
die Auseinandersetzung mit Geschichte
im Generationendialog zu erproben.

Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing

Das Programm:

Freitag, 24. Juni 2016

18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr
Begrüßung durch den Tagungshausleiter Herbert Dersch
Einführungin die Tagungsthematik - Dr. Ulrike Haerendel

I. ROTHENBURG IM "DRITTEN REICH"

19.30 Uhr
Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus in Stadt und Land Rothenburg
Dr. Daniel Bauer

20.30 Uhr
"Ein Tag, der zur Nacht wurde … Rothenburg in Flammen"
Filmpräsentation mit anschl. Gespräch mit Thilo Pohle und weiteren Mitgliedern der Dokumentarfilmgruppe

22.00 Uhr
Ausklang in den Räumen des Tagungszentrums


Samstag, 25. Juni 2016

07.45 Uhr Gemeinsamer Spaziergang im Park
08.00 Uhr Frühstück

II. "VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG"


09.00 Uhr
Die jüdische Gemeinde Rothenburgs und das Erinnern nach 1945
Dr. Oliver Gußmann

10.15 Uhr
Kaffeepause

10.45 Uhr
Die Strafverfahren gegen Verantwortliche der Deportationen aus Mittelfranken
PD Dr. Edith Raim

12.00 Uhr
Mittagessen

13.00 Uhr
Stadtführung mit Martin Kamphans oder

„Als der Frieden schon so nah war! Brettheim – eine Dorfgeschichte im Dritten Reich“
Dokumentarfilmgruppe Rothenburg, Filmvorführung

15.00 Uhr Kaffeepause

III. TRADITION UND INSZENIERUNG

15.15 Uhr
Wiederaufbau und Retraditionalisierung des Stadtbilds
Hanns-Jürgen Berger

Die Tradition einer Reichsstadt: Was bedeutet das für Rothenburg?
Zwischen reichsstädtischer Herrlichkeit und Versagen im Dritten Reich
Prof. Dr. Horst F. Rupp

17.15 Uhr Pause

17.30 Uhr
Geschichte des Vereins Alt-Rothenburg und sein Umgang mit der Geschichte
Dr. Markus Naser

18.30 Uhr Abendessen

20.00 Uhr
Generationengespräche Blicke auf Rothenburg: Geschichts-/Filmarbeit
Rundgespräch mit allen Tagungsteilnehmenden
Einführung und Moderation: Ditz Schroer

21.30 Uhr
Ausklang in den Räumen des Tagungszentrums


Sonntag, 26. Juni 2016

07.45 Uhr Andacht in der Hauskapelle
08.00 Uhr Frühstück

IV. VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT

09.00 Uhr
Schwierigkeiten im Umgang mit der Schuld
Wolf Stegemann

10.00 Uhr Kaffeepause

10.15 Uhr
Die Stadt und der Tourismus: Geschichte einer Wechselbeziehung
Michael Kamp M.A.

11.15 Uhr
Lust und Last des Rothenburg-Images
Abschlussdiskussion mit den Referenten und Referentinnen

11.45 Uhr
Kommentar zur Tagung
Ditz Schroer

12.00 Uhr
Ende der Tagung mit dem Mittagessen

zur Anmeldung und Ausschreibung

VAR aktiv bei der Stadtmosphäre in Rothenburg

Schlechtes Wetter? Na und!?

Der Verein Alt-Rothenburg präsentiert sich auch dieses Jahr auf der Stadtmosphäre direkt am Brunnen am Marktplatz und informiert über den Verein.

Zum zweiten Mal nach 2015 hat sich der Verein Alt-Rothenburg an zentraler Stelle auf dem Marktplatz mit seinem Programm und seinen interessanten Publikationen der Öffentlichkeit präsentiert. Trotz des nicht so guten Wetters ergaben sich einige interessante Gespräche mit Einheimischen und Gästen der Stadt.

Auch am heutigen Sonntag sind wir wieder am Herterichsbrunnen anzutreffen. Nutzen Sie die Gelegenheit und entdecken Sie unsere hochwertigen und fundierten - aber lesbaren - Bücher rund um die Geschichte Rothenburgs und seiner Umgebung. Wir bieten Ihnen unsere Bücher zu extremen Sonderpreisen an. Nur bei der Stadtmosphäre.

Gerne können Sie auch bei uns Mitglied werden. Beitrittserklärungen haben wir für Sie vorbereitet. Wir freuen uns auf Sie.

Zum zweiten Mal nach 2015 hat sich der Verein Alt-Rothenburg an zentraler Stelle auf dem Marktplatz mit seinem Programm und seinen interessanten Publikationen der Öffentlichkeit präsentiert. Trotz des nicht so guten Wetters ergaben sich doch einige interessante Gespräche mit Einheimischen und Gästen der Stadt.

Die Einführung der Reformation: ein langer Prozess

Hoch kompetent und spannend zuzuhören

Prof. Dr. Alison Rowlands bei ihrem Vortrag | Fotos: JoE

Prof. Alison Rowlands referierte beim Verein Alt-Rothenburg

Im Rahmen der winterlichen Vortragsreihe des Vereins Alt-Rothenburg sprach am vergangenen Freitag (15.04.2016) im Gasthof "Zur Glocke" vor rund 60 Zuhörern die britische Historikerin Alison Rowlands über wesentliche Aspekte der Durchführung der Reformation in Rothenburg und seinem Herrschaftsgebiet, der "Landwehr". Frau Rowlands hat sich mit ihren maßgeblichen Veröffentlichungen über die Rothenburger Hexenprozesse der frühen Neuzeit einen Namen gemacht. Sie hat an den englischen Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge studiert und lehrt momentan an der Universität Essex.

Der erste und frühe Versuch, in Rothenburg die Lehre Luthers einzuführen, scheiterte 1525 im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg. Erst ab 1544 gelang es dann, das evangelische Bekenntnis für die rund 5000 Einwohner der Reichsstadt und die Bevölkerung der Landwehr, die ungefähr 12000 zählte, einzuführen. Von 1559 stammt die erste protestantische Kirchenordnung Rothenburgs, die auf den bekannten württembergischen Theologen Jakob Andreae zurückgeht; zwei weitere folgten 1611 und 1668.

Reich bebildert:

Anschaulicher Vortrag: Prof. Dr. Alison Rowlands ist im Verein Alt-Rothenburg ein immer gern gesehener Gast und bekannte Referentin.

Natürlich waren die Pfarrer in Stadt und Land die Hauptvermittler der neuen Lehre. In der Stadt selbst gab es hier offenbar keine Probleme, in den Landpfarreien dauerte es bis 1567, um überall evangelische Prediger zu installieren. Gebsattel, dessen Kirche unter dem Patronat des würzburgischen Stifts Comburg (bei Schwäbisch Hall) stand, war ein Sonderfall. Seit 1584 amtierte hier ein katholischer Priester, die evangelischen Bürger gingen nach St. Leonhard (Siechhaus) zur Kirche, in den Wirren des 30jährigen Krieges wanderten 12 evangelische Familien ab, als die katholische Gegenreformation durchgeführt wurde. Erst mit dem Westfälischen Frieden, der 1648 den verheerenden Krieg beendete, wurde die bis dahin immer wieder gefährdete Rechtslage Rothenburgs sicher. Die städtischen Verordnungen blieben seitdem maßgeblich für die religiösen Angelegenheiten im Rothenburger Territorium.

Probleme gab es allerdings mit dem Markgraftum Ansbach, das in sieben Rothenburger Pfarreien, darunter Insingen und Bettenfeld, das Patronatsrecht besaß und gelegentlich die Rothenburger Kirchenvisitationen behinderte.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg gelang es der Stadt, eine leistungsfähige und zuverlässige Kirchenorganisation mit qualifiziertem Personal aufzubauen. In der Katastrophe des Krieges brachen dann allerdings vor allem auf dem Land Kirchen- und Schulwesen weitgehend zusammen. Manche Kirchen waren baufällig. In Ohrenbach hatten Soldaten die Fenster zerschlagen, um an das Blei zu kommen, aus dem man Kugeln goss. Erst 1672 konnte die letzte Pfarrstelle in der Landwehr wieder besetzt werden.

Voller Saal:

Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer in der "Kelter" der "Glocke".

Stand Rede und Antwort

Nach dem Vortrag gab es noch viele Redebeiträge und Wortmeldungen

Natürlich legte die Stadt großen Wert auf geeignete Pfarrer, die eine gute Ausbildung erfahren hatten. In der Regel bekam man auch solides Personal, doch es gab gelegentlich Ausnahmen. Ein aufsehenerregendes Ereignis war 1626 die Enthauptung des Spielbacher Pfarrers Hans Georg Hopf wegen Ehebruchs. Hopf war ein übermäßiger Trinker mit schlechten theologischen Kenntnissen. Ein negatives Beispiel gab auch Johann Kraft, ab 1669 Pfarrer in Tauberscheckenbach, dann in Spielbach und anschließend wieder in Tauberscheckenbach. Er trank, kümmerte sich nicht um die Schule und stritt mit seiner Frau. Der Ärger der Gemeinde über ihn war schließlich so groß, dass man den Gottesdienstbesuch mied. 1692 wurde er fast in einen Prozess wegen Hexerei verwickelt, als der im Machtkampf mit der Stadt liegende Superintendent Kirchmeier eine Giftmörderin überredete, den Pfarrer zu denunzieren.

Zur Überprüfung von Pfarrern und Kirchengemeinden führte die Stadt regelmäßig Visitationen durch, bei denen letzten Endes die Vertreter der Stadt und nicht die Geistlichen das Sagen hatten. Bei der Befragung der Gemeindemitglieder stellte man oft nur eine geringe Kenntnis des Katechismus fest. Um die theologische Bildung der Pfarrer zu fördern, ließ der bedeutende Superintendent Johann Ludwig Hartmann (1666 - 1680) regelmäßig Fortbildungs-Synoden durchführen. Zur Hebung des Glaubens und des Lebenswandels erließ der Rothenburger Rat eine große Zahl von Edikten, Mandaten und "Policeyordnungen", die die Pfarrer von der Kanzel verlesen mussten. Man wollte in einer Mischung von Strafandrohungen und gutem Zureden das Volk disziplinieren, um das Seelenheil zu fördern. Es ging immer wieder um das Gleiche: das Tanzen, das Wirtshaussitzen, den Besuch der Gottesdienste, das Fluchen und Gotteslästern. Auffällig sind die vielen Verordnungen gegen die Zauberei und das "Segensprechen". Der Aberglaube muss damals noch sehr weit verbreitet gewesen sein. Es gab professionelle Segensprecher, teilweise Hirten oder Müller, die den Menschen mithilfe von Amuletten und Ritualen Schutz und Hilfe für die Familie oder das Vieh vorgaukelten. Möglicherweise hat der Dreißigjährige Krieg die Neigung zur Volksmagie verstärkt, denn viele Soldaten glaubten, auf diese Weise unverwundbar zu werden. Die vom Rothenburger Rat angedrohten Strafen für für die Zauberei reichten vom Prangerstehen bis zur Todesstrafe. In der Praxis beließ man es allerdings bei Ermahnungen und Geldbußen, gelegentlich kam es zur Landesverweisung.

Viele interessante Redebeiträge

gab es nach dem Vortrag von Prof. Dr. Alison Rowlands.

Bedankte sich nach dem Vortrag bei der Referentin

Dr. Markus Naser, Vorsitzender des Verein Alt-Roithenburg (re.)

Genutzt haben diese vielfältigen Versuche der Sozialdisziplinierung wohl nicht allzu viel, denn sonst hätte man sie nicht andauernd wiederholen müssen. Die Obrigkeit und die Geistlichkeit erwarteten vermutlich einfach zuviel von den Menschen.

Als Fazit ihrer Forschungen verwies Prof. Rowlands noch einmal darauf, dass die Reformation kein einmaliges Ereignis, sondern ein langfristiger Prozess gewesen sei. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam es zu einer Art "Neureformation", die vieles, was vor dem Krieg bereits vorhanden gewesen war, wieder neu schaffen musste. Insgesamt stärkte die Reformation die Position des Stadtrats gegenüber der Kirche und den Untertanen. Und schließlich war die Durchführung der Reformation auch ein "Verhandlungsprozess", in dem es die Stadt mit den politischen Nachbarn, der Geistlichkeit und den Untertanen zu tun hatte.

Dr. Richard Schmitt

Linde-Verzeichnis aktualisiert

Dr. Hellmuth Möhring

© Jochen Ehnes

Dr. Hellmuth Möhring, 2. Vorsitzender des Verein Alt-Rothenburg, hat sich die Mühe gemacht und das Verzeichnis der "Linde" von Beginn 1909 bis zum Jahr 2014 aktualisiert.

Sie können es sich hier als PDF-Datei herunterladen. Eine interessante Lektüre. Erstaunlich, welche Beiträge man hier (wieder) findet.
zum aktuellen Verzeichnis [1.092 KB]

Der Zeit voraus: das Reichsstadtmuseum Rothenburg

01. Oktober 2016 - 30. September 2017
Medien der Reformation - Kampf der Konfessionen.
"Shitstorm" in der Renaissance?


Der ansbachische Kanzler Georg Vogler hinterließ nach seinem Tod 1550 der Stadt Rothenburg eine riesige Sammlung von reformatorischen Flugschriften. In diesem Fundus wird der erbittert geführte Glaubens- und Kulturkampf, der während der Reformation tobte, auf dramatische Art deutlich.

Das Reichsstadtmuseum wird in einer Ausstellung diese Konflikte, die sich sehr stark in den frühen Printmedien der Neuzeit niederschlugen, wieder aufleben lassen. Den Auswirkungen kann man heute noch nachspüren und findet erschreckende aktuelle Parallelen: Bildersturm, zerstörte Gebäude, Hassprediger sind keine Phänomene der Gegenwart, sondern waren damals bereits Realität.

Natürlich werden auch wieder Aktionen am Internationalen Gästeführertag, zum "Rothenburger Frühling", Tag des offenen Denkmals und während der "Stadtmosphäre" stattfinden. Diese werden kurzfristig hier, im Rothenburger Veranstaltungskalender und / oder im Fränkischen Anzeiger bekanntgegeben.

Jahresgabe 2015 erschienen

Pünktlich zum Fest

Als Jahresgabe für 2015 bietet der Verein Alt-Rothenburg seinen Mitgliedern einen kunstgeschichtlichen Leckerbissen. Im Verlag des Vereins ist vor kurzem Johanna Kätzels Studie über "Das Grabmal des Hans von Peulendorf und seiner Frau Margarethe von Ehenheim in der Franziskanerkirche zu Rothenburg ob der Tauber" erschienen. Auf 179 Seiten wird das Wesen spätmittelalterlicher Epitaphien exemplarisch beschrieben und erklärt. Das Buch wurde bei Schneider-Druck in Rothenburg in mustergültiger Qualität hergestellt, das Layout besorgte Dr. Hellmuth Möhring.

Rothenburgs Kirchen sind relativ arm an figürlichen Grabmälern. In der Johanniskirche finden wir eines für Jörg von Scharstett (verstorben 1459) und ein weiteres für Wolfram Geisendörfer (1455). In der Spitalkirche befindet sich das Epitaph des Grafen Otto von Flügelau (1317). Und in der Franziskanerkirche haben sich die Großplastiken des Peter Kreglinger (1404), des Dietrich von Berlichingen (1484) und eben die des Peulendorf-Ehepaars erhalten.

(Foto: Reichsstadtmuseum)

Als Säulengrabmal und als Doppelgrabmal ist Letzteres zunächst rein äußerlich schon etwas Besonderes. Aber auch seine Aussage hebt es über viele zeitgenössische Vergleichsobjekte hinaus, es handelt sich nicht um ein "Standardgrabdenkmal". Denn hier wird das Selbstverständnis des spätmittelalterlichen Adels sehr deutlich: Wie sehe ich mich, wie will ich von meinen Mitmenschen (und der Nachwelt) gesehen werden? Johanna Kätzel hat sowohl das Kollektive wie das Individuelle herausgearbeitet und die Eheleute zum einen als Vertreter ihres Standes, zum anderen aber auch als unverwechselbare Persönlichkeiten charakterisiert. Zu diesem Zweck hat sie in gründlicher Forschungsarbeit den sozialen und familiären Hintergrund des adeligen Paares recherchiert und ist sehr genau und kenntnisreich auf Rüstung und Kleidung eingegangen. Die spezielle kunsthistorische Arbeit, zu der man ein diffiziles Handwerkszeug benötigt, wird durch eine stilistische und formale Einordnung, etwa durch den Vergleich mit den Werken Riemenschneiders oder den Ansbacher "Schwanenrittern", geleistet. Zu beiden existieren deutliche Parallelen.

(Foto: Reichsstadtmuseum)

Dr. Markus Naser charakterisiert in seinem Vorwort die Arbeit folgendermaßen: "Johanna Kätzel betrachtet das Peulendorf-Grabmal nämlich keineswegs isoliert, sondern vor dem Hintergrund der spätmittelalterlichen Gesellschaft mit ihrer tiefen Frömmigkeit, ihrem ausgeprägten Standesbewusstsein und der daraus resultierenden elaborierten Begräbniskultur. Ihr Buch wird dadurch zu weit mehr als 'nur' einer wissenschaftlichen Abhandlung über ein spätmittelalterliches Grabmal. Es wird zu einer gelungenen Einführung in eine andere Zeit und in eine andere Welt, nämlich in die Welt des Mittelalters. Dass die Arbeit dennoch allen wissenschaftlichen Standards vollauf genügt und zahllose Literaturverweise und Quellenbelege enthält, macht die Arbeit nur umso wertvoller."

Unmittelbar östlich des figürlichen Denkmals ist die schlichte steinerne Grabplatte des Ehepaars (mit einer Inschriftentafel aus Messing) in den Boden eingelassen. Wer sich für die Rothenburger Geschichte und Kunst interessiert, sollte sich bei einem Besuch der Franziskanerkirche ein bisschen Zeit lassen und das Peulendorf-Grabmal genauer studieren.

Das Buch kann für 9.80 Euro im Stadtarchiv und im örtlichen Buchhandel erworben werden.

Alle Autor/innen des neuen Rothenburg-Buches

Waren alle ohne Honorar für das neue Buch aktiv

Die Autorinnen und Autoren des über 700 Seiten starken Buches zur Rothenburger Stadtgeschichte. Mit dabei: die Herausgeber, Vertreter des Theis-Verlages und OB Walter Hartl (re.) Foto: Jochen Ehnes

Großes Rothenburg-Geschichtsbuch

Von der Frühzeit bis in die Gegenwart – Beiträge ausgewiesener Experten auf 722 Seiten
Offizielle Vorstellung des Buches am Freitag, 11.12.2015


ROTHENBURG – Ein wichtiges Werk zur Rothenburger Stadtgeschichte und der des Umlandes wird im November erscheinen. Herausgeber sind Prof. Dr. Horst F. Rupp und Prof. Dr. Karl Borchardt, beide mit Rothenburg und der Stadthistorie eng verbunden. Zahlreiche Autoren bereichern das über 700 Seiten umfassende Werk.
Am Freitag, 11.12.2015 wurde das Buch offiziell im Reichsstadtmuseum vorgestellt.
weiterlesen

Bilder des Abends finden Sie ein Stück weiter unten.

Das berichtete der "Fränkischer Anzeiger" über die Buchvorstellung
weiterlesen

Schlaglichter des Abends

Wir zeigten den Film am 20. November 2015

Der Film, der nicht nur in Rothenburg

Aufmerksamkeit erregte: Er wird auf dieser Tagung gezeigt. Auch der "Brettheim"-Film wird vorgeführt.

Fundstück - Filmclip Rothenburg um 1950

Rothenburg unterm Hakenkreuz

Noch vor drei Jahrzehnten war das Thema Nationalsozialismus in Rothenburg weitgehend tabu, als ob es die zwölf Jahre der Entrechtung und Entmenschlichung nicht gegeben hätte. Lediglich Dieter Balb brachte im Fränkischen Anzeiger schon früh eine Artikelserie zur NS-Zeit heraus. Doch zu einer umfassenden Aufarbeitung anderer, die man erwarten konnte, kam es nicht. Dagegen wurde in zeitnahen und zeitfernen Schilderungen der Bombardierung die „Opferrolle“ der Stadt und ihrer Einwohner unter der „Flammenwalze feindlicher Bomber“ in allen Einzelheiten darstellt. In den letzten Jahren erforschte eine Gruppe von Bürgern unterm Dach des Evangelischen Bildungswerks die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rothenburg und damit auch ihr tragisches Ende in der NS-Zeit.

Auch wenn der Verein Alt-Rothenburg in den letzten Jahren sich des Themas in Publikationen lobenswert annahm, so haben bis heute diejenigen, die für die Darstellung der Stadtgeschichte Verantwortung getragen haben und tragen, die Jahre des Nationalsozialismus bis heute umfassend und zusammenhängend nicht erforscht und somit auch nicht begreiflich gemacht, wie dieser nationalsozialistische Hochmut in Rothenburg schon in den 1920er-Jahren entstehen konnte und welche bösen Früchte er bis 1945 trug. Nicht nur die stark beklagte Bombardierung der Stadt mit 96 Toten.

Diese Online-Dokumentation, verantworten die Herausgeber und das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rothenburg. Mit der Darstellung der Geschehnisse zwischen 1920 und 1945 und der Jahre danach bis etwa 1960 stehen wir erst am Anfang des Versuchs, die vielfältigen Fragen zu beantworten, wie es dazu kommen konnte, dass zwölf Jahre deutscher Geschichte, eigentlich nur ein Wimpernschlag, unauflöslich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten und mit dem Namen Adolf Hitler verbunden sind und sie ausreichten, Europa zu zerstören. Ohne die vielen kleinen Nazis in den Städten und Dörfern, ohne die vielen Mitläufer und Stummen wären diese zwölf Jahre nicht möglich gewesen. Damit lässt sich die unheimlich erscheinende Logik verbinden, dass diese Geschichte nur so und nicht anders abrollen musste.
zur Homepage

90